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Bauen mit Lehm

degen hettenbach

& partner

Das Bauen mit Lehm

... stellt dem konventionellen, heute gängigen Bauen eine klare und intelligente Alternative gegenüber.
Lehm ist zweifellos der reinste in der Natur vorkommende Baustoff, zusammen mit Sand und Kies,
welche ebenfalls mineralische Zerfallsprodukte sind.

Lehm ist immer 100% reversibel und ist zu keiner Zeit ein problematisches Abfallprodukt.
Allfälliger "Abfall-Lehm" ist immer und überall in reine Erdlagerstätten rückführbar.

Lehm wird oft als der Heilsbringer im Öko- und Biobau betrachtet. Dieses Lob hat das Material
verdient, weil es die Gesundheit der Bewohner und Benutzer solcher Bauten massgeblich
und positiv unterstützt.

Nicht umsonst besteht die sogenannte Heilerde aus reinem Lehm mit hohem Tonanteil.
Tonmineralien besitzen ein ungeahntes Erbe an Information der Erdgeschichte,
und ihre Energie ist unschätzbar wertvoll.

Die weiteren Vorzüge des Lehms können überall in Fachschriften nachgelesen werden.
Wir verzichten deshalb darauf, hier nochmals darauf einzugehen.

  • Das Vorkommen von Lehm

    Lehm ist ein mineralisches Zerfallsprodukt von Gestein. Die Lehmkarte Schweiz zeigt an,
    dass es über das ganze Landesgebiet der Schweiz Lehmvorkommen gibt.

    Prädestiniert sind das Schweizer Mittelland über den Jura bis hin zur Rheinebene,
    also praktisch das ganze Gebiet nördlich der Alpen, sowie vereinzelte Orte am oberen Rhein,
    im Rhonetal und im Tessin.

  • Eignung von Ortslehm

    Lehm kann je nach Eigenschaft 1:1 ein- respektive umgesetzt werden.

  • Andere Hinweise auf Lehmvorkommen

    Erfahrungsgemäss ist verbindlich, wenn in einem Gebiet ein historischer Hinweis auf eine Ziegelei
    besteht oder besser es noch existierende Ziegeleigelände gibt. Ziegeleien gibt es verbreitet seit
    dem Mittelalter, aber auch die Römer kannten diese Einrichtungen schon vor über 3000 Jahren.

    Flurnamen wie LETTEN, LETT, LEI, LEY, LEIM, LEIMEN nehmen unmissverständlich Bezug
    auf den lehmigen Boden.

  • Alternativen zu Ortslehm

    Wo es keine Lehmvorkommen gibt, ist es heute auch sinnvoll, diesen Baustoff aus dem nächst
    gelegenen Vorkommen per Lastwagen herbeizuführen. Die Ökobilanz ist deshalb nicht in Gefahr.

    Etwas anderes ist es, wenn Lehm oder Lehmbaustoffe aus einer entfernten Produktion
    über weite Strecken auf der Strasse angeliefert werden müssen.

    Wenn uns lokal keine geeigneten Lehme zur Verfügung stehen, handeln wir uns mit dem Zurück-
    greifen auf Produkte aus dem modernen Bauhandel zwangsweise einen erhöhten Grauenergie-
    anteil ein. Aber es gibt auch gute Gründe für die Verwendung von Handelsprodukten: die einfache
    Verarbeitbarkeit, die immer gleich bleibende Qualität u. a. m.

    Trotzt alledem ist die Grauenergiebelastung solcher Lehmbaustoffe immer noch relativ unbedeutend,
    weil die Herstellungsenergie gegenüber konventionellen Baustoffen ungleich kleiner ist.

  • Örtliche Herstellung von Lehmprodukten

    Heute kommt häufig die Herstellung von lokal hergestellten Grund- und Deckputzen dort zur
    Anwendung, wo lokale Sande mit farbigen Tonmehlen, z. B. aus dem Westerwald (D) oder aus
    der Tonmehlproduktion Holderbank (CH) gemischt werden. Diese Lösungen sind oft sehr
    wirtschaftlich und ergeben ein grosses Angebot von farbigen Deck- oder Oberputzen.

  • Industrielle Lehmbaustoffe im modernen Bauen

    Industrielle Lehmbaustoffe ermöglichen je nach Produkt eine Bauzeitverkürzung. Dies ist ein immer
    öfters wichtiger und willkommener Faktor. In diesem Zusammenhang ist die Trockenbauweise zu
    nennen, welche den Unternehmer unabhängig von Jahreszeiten machen. Dies ist bei vorgefertigten
    Holzbauten ein wichtiger Aspekt in der Ausbauphase. Industriell hergestellte Lehmsteine und Lehm-
    platten sind hierfür geeignet. Diese können mit Lehmmörtel vermauert werden.

  • Allgemeines

    Werden die Lehmbau-Nasstechniken in Form von dick aufzutragendem, mehrschichtigem Verputz
    angewendet, so ist die Jahreszeit besonders zu beachten, damit die atmosphärische Trocknung
    gewährleistet ist. Ansonsten kann der Einsatz von Bauaustrocknungsgeräten zu unliebsamen
    Nebenkosten führen.

  • Stampflehm oder Pisé

    Der Stampflehm ist aber sicher eine der aufwändigsten Lehmbautechniken. Erklären lässt es sich so,
    dass die Aufbereitung der zu stampfenden Lehmmischung einen erheblichen maschinellen Einsatz
    erfordert. Die Schaltechnik ist aufwändiger als bei Betonarbeiten. Ferner führt der Einsatz von
    Druckluftstampfern bei Bauarbeitern zu körperlichen Verschleisserscheinungen bei längerem Einsatz.
    Der Einsatz der Handstampftechnik wird heute nur bei kleineren Objekten angewendet.

    Die Stampflehmtechnik erzeugt archaisch anmutende Bauten und Bauteile. Dies ist mit ein Grund,
    weshalb heute ambitiöse Architekten oft zu dieser Technik greifen, um damit eine ausdrucksstarke
    Architektur zu erreichen.

    Das erdfeuchte Material kann lose bis zu 10 cm hoch von Hand oder bis zu 20 cm hoch hydraulisch
    eingestampft werden. Die Schalung kann bei geringen Wanddicken in Klettertechnik oder bei dicken
    Wänden mit begehbaren Schalungsräumen und mit einem Grabenstampfer (z. B. RAMAX) erstellt
    werden. Das Trocknungssetzmass liegt bei ca. 1 Prozent.

    Aushubmaterial kann nur im idealsten Fall direkt verwendet werden. Wichtig ist dabei, dass
    das Stampflehmmaterial mit genügend kiesig-splittigem Material durchsetzt ist. Es sind unbedingt
    Musterkörper zu stampfen. Die Planung und Ausführung erfordert viel Sorgfalt und Zeit.

  • Leichtlehmbau

    Diese Bauweise wird vereinzelt bei Altbaurenovationen oder bei kleineren Objekten von Selbst-
    bauern gewählt, weil sie als Lehmbauteil mit erhöhtem Dämmfaktor viel Eigenleistung ermöglicht.
    Es gab eine Phase in den 90er-Jahren, wo in der Schweiz auch grössere Objekte entstanden
    (z. B. Via Felsenau).

    Als Trägermaterialien können Holzhäcksel, Strohhäcksel, Hanfschäben, Blähton u.a.m. gewählt
    werden, welche mit aufgeschlämmtem Lehm in Kletterschalung verarbeitet und eingebracht werden.

    Die Setz- und Trocknungsphase dauert je nach Dicke der Wand mehrere Monate.

  • Wellerbau

    Diese Lehmbautechnik wurde 2009 erfolgreich in einem Hausprojekt in Deitingen SO angewendet,
    nachdem die Lehmbauer vorgängig die im Osten von Deutschland weit verbreitete, aber veraltete
    Wellerbautechnik eingehend studierten.

    Dabei wird Stroh und Lehm in einer Art "Misthaufenaufbautechnik" aufeinander geschichtet,
    geschlagen und danach auf die angestrebte Wanddicke mit einem Spezialspaten abgestochen.
    Die Aufbaulagen sind bis maximal ca. 60 cm hoch und werden rundum auf durchwegs gleiche Höhe
    eingebaut. Danach braucht es eine mehrwöchige Setzphase, bevor eine weitere Schicht aufgebaut
    werden kann.

    Die Austrocknungszeit ist im Vergleich zu Stampflehm ungleich länger
    und kann je nach dem bis zu einem Jahr oder länger dauern.

  • Adobe Bauweise

    Adobe bedeutet die Vermauerung von handgemachten Volllehmsteinen. Diese Technik
    wird weltweit angewendet, stammt aber ihrem Namen nach aus New Mexico.

    Die Herstellung von handgemachten, luftgetrockneten Steinen - mit oder ohne natürliche Fasern -
    wird bei uns gern in Baugemeinschaftsprojekten angewendet.

  • Selbstbau mit Lehm

    Lehm bietet sich wie kein anderer Baustoff zum Selbstbau an. Der Beizug einer Fachkraft oder
    eines Lehmbauexperten zu einem frühen Zeitpunkt sei hier jedoch geraten, damit nicht unliebsame
    Erfahrungen gemacht werden müssen. Lehm ist ein einfaches und trotzdem kompliziertes
    Baumaterial, welches viel Materialverständnis, Einfühlsamkeit und Flexibilität erfordert.

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